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Eine Keimzelle für Innovationen

Viessmann eröffnet Forschungs- und Entwicklungszentrum – Investitionssumme liegt bei 50 Millionen Euro

ALLENDORF/EDER. Eine Keimzelle für Innovationen: Das ist der Anspruch an das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum, das im Viessmann-Werk I in Allendorf/ Eder (Kreis Waldeck-Frankenberg) entstanden ist. Rund 50 Millionen Euro sind in das Technikum geflossen. Laut Prof. Dr. Martin Viessmann handelt es sich um die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.

Erste Ideen für ein neues „Prüfzentrum“ reichen bis in das Jahr 2007 zurück. Auf historischem Boden, wo früher eine Werkshalle stand, erhebt sich nun eine zehn Meter hohe Halle als zentrales Element des Technikums. Rund um ein gläsernes Atrium sind Räume platziert, in denen geprüft, entwickelt und geforscht wird. 19 weiße Türme erweitern die Nutzfläche. Akustik-Paneele an allen Wänden sorgen für eine außergewöhnliche Ruhe.

„Dass sich Entwickler am Prüfstand unterhalten – davon kann man wegen der Geräuschkulisse in anderen Prüflaboren nur träumen“, sagt Michael Imhof, Leiter Systemversuch aus dem Bereich Forschung und Entwicklung. Mit weniger als 50 Dezibel ist es im Technikum außergewöhnlich leise. „Wärmeerzeuger mit hohem Geräuschpegel haben wir im oberen Bereich angesiedelt“, sagt Dr. Markus Klausner, Geschäftsführer Technik der Viessmann-Heizsysteme GmbH.

Kurze Wege – alles unter einem Dach: Das war einer der Leitgedanken bei der Planung des neuen Technikums. Nicht nur konzeptionell, sondern auch räumlich ist das Forschungs- und Entwicklungszentrum zwischen den Bereichen Konstruktion und Fertigung angesiedelt.

Feste Bestandteile des Konzeptes sind Rückzugsorte, in denen sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen zum Gespräch zusammenfinden können, um dann die Ergebnisse gemeinsamer Überlegungen gleich in der Praxis zu erproben. „Viele Details sind nicht am Reißbrett, sondern in Teamwork entstanden“, erklärt Imhof.

Klassische Bestandteile des Technikums sind 110 Prüfplätze für Wärmeerzeuger. Simuliert werden können dort unterschiedliche Einsatzbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Gasart und Länge der Abgasleitung. Wie beständig sind die verbauten Werkstoffe gegenüber Korrosion? Das ist ein großes Thema im chemischen Labor. Für weitere Dauer- und Langzeitversuche gibt es ein elektrotechnisches und ein metallurgisches Labor.

Im Testbetrieb müssen Viessmann-Produkte bis zu fünf Jahre ununterbrochen laufen. In Klimakammern lassen sich Temperaturen zwischen minus 45 und plus 55 Grad Celsius simulieren. „Wenn es zu Ausfällen kommt, wollen wir den Grund verstehen“, sagt Klausner. Im Störungsfall werden Heizgeräte bis auf die letzte Schraube zerlegt.

Eine Ideenschmiede ist der sogenannte Prototypenbau, ausgerüstet mit 3-D-Druckern der neuesten Generation. Über Nacht generiert ein solcher Drucker komplizierte Teile, die früher – inklusive Konstruktion, Fertigung und Versand – 14 Tage Vorlauf benötigten. Schon ein einziges so konstruiertes Bauteil kann die hohen Anschaffungskosten eines 3-D-Druckers refinanzieren.

HNA, 13.04.2017 von Thomas Hoffmeister