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Arbeitsmarkt ist in Bestform

Beschäftigungsaufbau in allen Branchen – Betriebe suchen händeringend Fachkräfte

 KASSEL. Seit Jahren kennt die Arbeitslosenzahl für die Stadt und den Landkreis Kassel nur eine Richtung: nach unten. Von saisonalen Spitzen und Sondereffekten wie etwa dem Flüchtlingszuzug abgesehen, sinken die Quoten kontinuierlich. Grund für diese Entwicklung ist neben dem starken Exportgeschäft auch die gute Inlandsnachfrage. Die allermeisten Menschen in der Region haben Arbeit und spüren, dass ihre Jobs sicher sind – also geben sie ihr Geld aus.

Obwohl der Leiter der Arbeitsagentur Kassel, Detlef Hesse, davon ausgeht, dass der Konjunkturmotor auch in den kommenden Monaten seine hohe Drehzahl hält, warnt er davor, das starke erste Quartal auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Vielmehr erwartet er eine Verlangsamung des positiven Trends. Grund: Die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge drängen nach Beendigung von Sprach- und Integrationskursen in den Arbeitsmarkt. Konkret: 4885 der aktuell 17 757 Arbeitslosen haben keinen deutschen Pass – 701 mehr als im Februar.

Wie gut es derzeit auf dem Arbeitsmarkt läuft, veranschaulicht auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen: 210 085 sind es in Stadt und Kreis Kassel (Stand September 2016, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) und damit so viele wie seit 1999 nicht mehr.

Der Beschäftigungsaufbau geht quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen. Hervorzuheben sind das Baugewerbe, das infolge historisch niedriger Zinsen vom Trend zum „Betongold“ profitiert, die Dienstleiter und der Handel. Das spiegelt sich auch in der Zahl der eingegangenen Stellenangebote wider, die binnen Jahresfrist um 254 auf 1382 gestiegen ist.

Viele Betriebe, insbesondere im Handwerk, suchen händeringend Fachkräfte. Das gilt auch für Lehrlinge. Von Oktober bis Ende März akquirierte die Arbeitsagentur 2806 Ausbildungsplätze. Denen standen zwar 2949 Bewerber gegenüber, aber viele springen wieder ab, weil sie sich am Ende doch für eine weiterführende Schule oder ein Studium entscheiden. „Für viele Unternehmen wird es immer schwieriger, Jugendliche für die duale Berufsausbildung zu gewinnen“, sagt Hesse.

Auch an der Zahl der Langzeitarbeitslosen, die ein Jahr und länger auf Jobsuche sind, lässt sich die gute Konjunktur ablesen. Sie sank gegenüber März 2016 um 861 auf aktuell 6038. Nicht ganz so deutlich, aber im Trend liegt auch die Entwicklung bei den unter 25- Jährigen. Deren Zahl ging um 49 auf 1908 zurück.

HNA, 01.04.2017 von José Pinto