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Alles Neue fest im Griff

Start-up-Unternehmen Etaopt entwickelt mit Uni Kassel flexibles Greifsystem

KASSEL. Seitdem immer mehr Roboter Einzug in die Fabriken gehalten haben, wurde eine Vielzahl von Greifsystemen entwickelt, mit denen sie die zu bearbeitenden Produkte sicher in den Griff bekommen sollen – auch wenn sie sperrig sind. Die Palette reicht von Parallel-, Radial- und Winkelgreifern bis hin zu Sauggreifern.

Doch Unternehmen wechseln heutzutage häufig ihre Produkte und deren Design, um schnell auf neue Trends im Markt reagieren zu können. Da seien flexible Greifsysteme gefragt, die nicht gleich ausgetauscht werden müssen, weil sie sich veränderten Formen nicht anpassen können, sagt Dr. Christoph Pohl, geschäftsführender Gesellschafter des Kasseler Start-up-Unternehmens etaOpt.

Die Firma will in Zusammenarbeit mit der Universität Kassel ein Greifsystem entwickeln, das sich veränderten Anforderungen anpasst. Diesen Forschungsansatz hält das Land Hessen für so vielversprechend, dass es jetzt das Projekt aus seinem Loewe-Programm mit 327 000 Euro gefördert hat.

Der Greifarm des Roboters soll mit einem Kunststoffkissen bestückt werden, das sich durch blitzschnelles Erwärmen und anschließendes Abkühlen fest an das zu transportierende Gut anschmiegt und so für sicheren Griff sorgt. „Das funktioniert im Prinzip wie ein Taschenwärmer“, sagt Pohl. Damit könne man dann auch Gegenstände aus porösem Material greifen. Sauggreifer stießen da an ihre Grenzen.

Zusammen mit den Forschern des Instituts für Kunststofftechnik habe man bereits einen Kunststoff gefunden, der sich gut für diesen Prozess eigne. Für den schnellen Wechsel von Heizen auf Abkühlen sollen sogenannte Peltier- Elemente sorgen. Das sind unterschiedliche Halbleiter, mit denen man durch das Hindurchleiten von elektrischem turwechsel erzielen kann.

Mit diesem Projekt will das junge Unternehmen seine Produktpalette erweitern. Gestartet war es im vergangenen Jahr mit einem Sauggreifsystem, welches das dafür benötigte Vakuum zum Ansaugen nicht durch die bisher übliche Druckluft, sondern mithilfe von Elektromotoren erzeugt. Dieses System benötige viel weniger Energie als Druckluft und sei auch robuster, sagt Pohl. Man habe schon 1200 Kunden gewonnen und 270 Interessenten, die eine Umstellung auf das etaOpt- System prüfen lassen. 

HNA, 20.03.2017, von Peter Dilling

Hintergrund

Die Firma etaOpt wurde im Juni 2015 gegründet. Sie hat mittlerweile 13 Mitarbeiter. Nach Angaben von Geschäftsführer Pohl ist die Kasseler
Hübner-Gruppe im Oktober 2016 mit einer Minderheitsbeteiligung
in das junge Unternehmen eingestiegen, das auch Dienstleistungen für
Industrie und Gewerbe rund um das Thema Energieeinsparung anbietet. etaOpt peilt für das laufende Jahr einen Umsatz von 860 000 Euro
an. Man habe schon zahlreiche Erfindungen zum Patent angemeldet. Am aktuellen Projekt für einen „Poly-Greifer“ ist neben dem Institut für
Kunststofftechnik auch das Fachgebiet Trennende und Fügende Fertigungsverfahren der Uni Kassel beteiligt. (pdi)