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Digitales soll das Geschäft befeuern

Heiztechnikhersteller Viessmann treibt neuen Geschäftsbereich voran und will mit Software Geld verdienen

FRANKFURT/ALLENDORF. Wer ans Heizen denkt, der denkt fast immer an Feuer – ob es der Kessel im Keller ist oder die Gastherme an der Wand. Doch im 100sten Jahr seit Gründung soll auch die Digitalisierung das Geschäft des Heiztechnikherstellers Viessmann in Allendorf/Eder (Waldeck- Frankenberg) befeuern.

Maximilian Viessmann, Enkel des Firmengründers, ist seit vergangenem Sommer als Chief Digital Officer (CDO) im Familienunternehmen zuständig für das Digitale. Geschäftszahlen in Frankfurt. Mehr verdienen könnte der Fachhandel, weil die Entwicklungszyklen der Produkte kürzer würden, die Kunden schneller passgenauere Angebote bekämen und der Kundenservice besser geplant werden könne.

Sparen könnten die Verbraucher laut Maximilian Viessmann mittels einer flexibleren Steuerung. Eine Heizung müsse nicht mehr den ganzen Tag laufen, sondern könne erst kurz vor der Heimkehr eingeschaltet werden – das spare Geld. Das Energiemanagement- System (EMS) könnte die einzelnen Komponenten von der Fotovoltaik-Anlage über die Wärmepumpe hin zum Batteriespeicher verbinden und das Zusammenspiel steuern – Voraussetzung: Der Kunde stimmt dem Datenverkehr zu.

„Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass in unserer Zeit erstmals die Alten von den Jungen mehr lernen können als umgekehrt“, sagte gestern Professor Dr. Martin Viessmann, Chef des Viessmann Verwaltungsrates. Herausforderungen, dazu zählen aus seiner Sicht Digitalisierung und Energiewende, sollten aber als Chance verstanden werden.

Noch verdient das Familienunternehmen ganz konventionell mit Heiz- und Kühltechnik sein Geld. Obwohl sich das Marktumfeld im vergangenen Geschäftsjahr schwierig gestaltet hat, konnte die Gruppe 2016 den Absatz um 2,8 Prozent steigern. Beim Umsatz legte sie im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro zu. Angaben zum Gewinn macht das Familienunternehmen traditionell nicht. Der Unterschied bei den Prozentangaben bei Umsatz und Absatz ergibt sich aus unterschiedlichen Preisen für die Heiz- und Kühltechnik in den einzelnen Ländern und Regionen, erklärt Janssen. So habe zum Beispiel in China zwar der Verkauf angezogen, die Preise vor Ort seien jedoch aufgrund eines anderen Preisniveaus deutlich niedriger.

Die Marktzahlen hätten abermals gezeigt, dass „die Modernisierung im Wärmemarkt nicht so in Gang kommt, wie es für das Erreichen der politisch vorgegebenen Klimaschutzziele erforderlich wäre“, sagte Joachim Janssen, Geschäftsführer der Gruppe (CEO). Nach wie vor hat der Wärmemarkt mit 40 Prozent den größten Anteil an den CO2-Emissionen. Doch nur 30 Prozent der 20 Millionen Anlagen hierzulande sind auf dem neuesten Stand.

54 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet Viessmann im Ausland. Dort ging der Umsatz leicht um zwei Prozent zurück, was im wesentlichen im Geschäft in Russland und Italien begründet ist.

Die Zahl der Beschäftigten stieg um drei Prozent auf 12 000 Mitarbeiter. 4400 von ihnen arbeiten am Unternehmenssitz in Allendorf. 

Wer noch über Digitalisierung nachdenkt, dem sei das Firmenvideo zum 100. Jubiläum empfohlen. In ihm nimmt sich Martin Viessmann selbst auf die Schippe.

HNA, 16.03.2017, von Martina Hummel