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Erster Fahrdienst mit Strom aus der Steckdose

Vellmarer Firma hat Elektrofahrzeug für den Personentransport zugelassen – Vorreiter für die Beförderung im Landkreis Kassel

VELLMAR. Würde Thomas Damm nur rational denken, würde er weiterhin auf Dieselfahrzeuge setzen. Der 54-jährige Geschäftsführer von der Firma Damm Botendienste aus Vellmar will aber etwas für die Umwelt tun – und hat deshalb jetzt ein Elektrofahrzeug für die Personenbeförderung angeschafft. „Es dürfte das erste überhaupt im Großraum Kassel sein“, sagt der Unternehmer.

Mit seinem strahlend weißen Nissan E-NV200, einem Kastenwagen mit fünf Sitzen, fährt Damm ab sofort Schüler zur Schule und Patienten ins Krankenhaus. Darüber hinaus wird er mit dem Japaner Apotheken beliefern, Pflanzen für Blumengeschäfte transportieren und Essen auf Rädern in Hofgeismar und Grebenstein ausfahren. „Rein wirtschaftlich gesehen ist das mit einem Elektrofahrzeug totaler Blödsinn“, sagt Damm.

Denn: Elektrofahrzeuge sind in der Anschaffung wesentlich teurer als konventionell betriebene Transporter. Laut Nissan kostet der E-NV in der Basisversion 24 635 Euro. Hinzu kommt, dass der Japaner bei optimalen Bedingungen – 18 Grad Außentemperatur, gerade Strecke und kaum Gewicht an Bord – gerade einmal rund 120 Kilometer pro Vier-Stunden-Steckdosenladung schafft. „Das spiegelt sich natürlich in den Betriebskosten pro Kilometer nieder“, erklärt Damm, der damit rechnet, dass ihn der Nissan insgesamt rund 50 Prozent mehr kostet als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. „Aber allein wir verbrennen pro Jahr 25 000 Liter Diesel“, sagt Damm.

Deshalb entschied er sich nach langer Recherche für den Nissan. „Die deutschen Hersteller hinken in dem Bereich ja leider völlig hinterher“.

Ohnehin vermisst Damm eine stärkere Förderung vom Staat für rein elektrisch betriebene Autos. „Der Staat sollte sich nicht auf die 4000-Euro-Wechselprämie für Privatleute konzentrieren, die gerade einmal 20 Kilometer am Tag pendeln", sagt er. „Die Masse der Kilometer entfällt doch auf den gewerblichen Verkehr, deshalb sollte man gezielt Unternehmen fördern, wenn sie auf E-Fahrzeuge umsteigen“. Sein Vorschlag: „Je mehr Kilometerleistung, desto höher die Fördersumme“, sagt er, „denn nur so wird effektiv CO2 eingespart“.

Kritik an den Kommunen

Damm kritisiert auch die Vergabepraxis von Aufträgen bei Kommunen: „Den Städten und Gemeinden geht es bei ihren Ausschreibungen doch nur ums Geld“, sagt Damm, „auf umweltfreundliche Antriebsarten legen die doch in Wahrheit gar keinen Wert“. Dass er mit einem E-Fahrzeug pro Kilometer teurer ist als Anbieter mit Dieselfahrzeugen, liege auf der Hand. „Aber so wird das nichts mit der Energiewende auf der Straße“.

Doch Damm, der 15 Fahrer beschäftigt, lässt sich nicht unterkriegen. Er ist stolz, einer der ersten zu sein, der für die Personenbeförderung nur noch eine Steckdose benötigt.

Abgesehen davon hat er aber auch noch sieben weitere Fahrzeuge in seinem Fuhrpark – die mit Diesel fahren. „Ein Anfang ist jetzt aber gemacht“.

HNA, vom 15.02.2017, von Sebastian Schaffner