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Rieslinganbau?

Weltweiter Klimawandel fordert Anpassungsleistungen von der Region

Kassel. Rekordbesuch auf der 2. Kasseler Klimaanpassungskonferenz. Rund 280 Teilnehmer aus fünf Bundesländern informierten sich über Maßnahmen zum Schutz gegen die Folgen des Klimawandels.

„Um die Jahrhundertwende dürfte Kassel ein Klima haben wie heute Toulouse“, schaute Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, skeptisch nach vorn. „Seit 2000 haben wir quasi jedes Jahr ein Rekordjahr im Bereich Hitze. Und wir haben keine Ahnung wie wir das stoppen sollen. Immer wärmere Jahre, die die Gesundheit angreifen und eine immer ältere Bevölkerung – da kommen noch ungeahnte Probleme auf uns zu.“

In puncto Umgang mit den Folgen des Klimawandels ist Nordhessen bundesweit ein Vorreiter. „Forschungsergebnisse praxisnah anwenden. Damit haben wir die Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gewonnen und die nötigen Mittel nach Nordhessen geholt, um an der Uni in dem Bereich zu forschen und die Ergebnisse mit Hilfe des Regierungspräsidiums in die Praxis umzusetzen“, fasste Regionalmanager Holger Schach zufrieden zusammen. Klimaanpassungsleistungen – angefangen habe es laut Schach mit den Schneekanonen in Willingen. „Wenn wir im Bereich Tourismus sind, denken wir in Nordhessen sofort weiter an Riesling-Weine an den Südhängen von Waldeck- Frankenberg“, schmunzelt Schach. „Doch es geht weit darüber hinaus. Wir haben die GrimmHeimat Nordhessen zur erfolgreichsten Mittelgebirgsregion in Deutschland entwickelt und sind im Bereich Elektromobilität führend.“

Auch im Bereich Landwirtschaft tue sich energetisch einiges. „Klimabedingt haben wir einen höheren Trocknungsbedarf in der Landwirtschaft. Dafür wurde eine solarbetriebene Niedertemperaturtrocknung entwickelt.“

Nachbarschaftshilfe

Für Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke war das Projekt „Aufrechterhaltung der Versorgung von Pflegebedürftigen bei gefährdenden Unwetterlagen“ das Wichtigste. „Was machen wir, wenn extreme Wetterbedingungen Verkehrswege blockieren? Das Ergebnis: Nur durch die Entwicklung eines systematischen nachbarschaftlichen Hilfesystems kann so eine Krisensituation bewältigt werden.“

Bei all diesen Fragestellungen und vielen anderen mehr war die Universität Kassel eingebunden. „24 Fachbereiche mit 200 Mitarbeitern beschäftigen sich mittlerweile mit den Folgen des Klimawandels“, erklärte Professor Dr. Alexander Roßnagel.

Extratip, vom 11.02.2017, von Rainer Hahne