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SMA steht vor radikalem Umbau

Niestetaler Solartechnik-Hersteller wandelt sich zunehmend zum Dienstleister und Datenhändler

NIESTETAL/KASSEL. Nach dem Umbau ist vor dem Umbau: Nur zwei Jahre nach der massiven Umstrukturierung, der seinerzeit 1200 Vollzeitstellen zum Opfer fielen, steht der Niestetaler Solartechnik- Spezialist SMA vor einem wahrscheinlich noch größeren Umbruch. Ein Stellenabbau ist nach Unternehmensangaben aber nicht vorgesehen.

Der Anbieter von Wechselrichtern, Speicher- und Kraftwerkstechnik wandelt sich immer stärker vom reinen Produzenten zu einem Dienstleister und Datenhändler im Bereich der Energie-Management- Systeme. Das erklärte Vorstandssprecher Pierre- Pascal Urbon den Analysten, Banken- und Investorenvertretern während des gestrigen Kapitalmarkttags.

Ziel ist es, künftig nicht mehr nur Wechselrichter, sondern passgenaue, automatisierte Systeme zu verkaufen, die privaten, gewerblichen und industriellen Kunden das gesamte Energie-Management abnehmen. Konkret: Das System entscheidet auf Grundlage der jeweiligen Marktpreise, ob und wie der Eigenstrom selbst verbraucht oder verkauft wird, um gegebenenfalls zu einem anderen Zeitpunkt Überschussstrom zu Niedrigstpreisen zurückzukaufen.

„Da liegt unsere Kompetenz. Wir haben die Daten und die Management-Systeme dafür“, erklärte Urbon. Voraussetzung für den Erfolg der neuen Angebote sind intelligente Wechselrichter, die die notwendigen Daten liefern. „Daher werden wir natürlich weiter produzieren“, sagte Urbon und kündigte für dieses und nächstes Jahr eine komplett neue Wechselrichter- Generation an, die die Fertigungskosten nochmals um 50 Prozent senkt.

Hintergrund des Umbaus ist der massive Preisdruck chinesischer Wettbewerber, die mit Dumping- Preisen ihre Überkapazitäten auszulasten versuchen. Binnen Jahresfrist sind die Preise für Wechelrichter um ein Drittel gefallen, und SMA rechnet auch in diesem Jahr mit einem ähnlich starken Rückgang. Daher werde 2017 ein Jahr des Übergangs. Erst 2018 und danach rechnet Urbon wieder mit besseren Ergebnissen.

In dem „brutalen Preisdruck“ sieht der Vorstandssprecher aber auch Chancen. „Er treibt uns zu immer besserer und preiswerterer Technik an, was dazu führt, dass Solarstrom in wenigen Jahren auch ohne Förderung so preiswert ist wie alle anderen Energieträger“. Dieser Umstand sowie die Klimaziele, die künftig bei Neubauten keine fossilen Energieträger mehr zulassen, und die aufstrebende Elektromobilität spiele SMA in die Karten, sagte Urbon. Gleichzeitig verwies er auf die Finanzkraft von SMA. Das Unternehmen verfügt aktuell über Barreserven von 360 Mio. Euro und will diese bis Jahresende auf 400 Mio. aufstocken.

HNA, vom 28.01.2017, von José Pinto