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Fundament ist gelegt

Baustelle Windpark Berlepsch-Ellerode wurde besichtigt

Witzenhausen. Reger Andrang herrschte trotz eisiger Temperaturen auf der Windparkbaustelle Ellerode unterhalb des Schloss’ Berlepsch, nahe der A7.

Die 70 Interessierten, die der Einladung von Fabian von Berlepsch zur ersten Baustellenbegehung mit Expertenvorträgen gefolgt waren, wurden zunächst mit Sicherheitskleidung und Gummistiefeln ausgestattet, um dann zwei Stunden lang über die weitläufige Baustelle geführt zu werden.

Mitarbeiter des Betreibers Enercon, der Planungsbüros und des Stromversorgers Energienetz Mitte- EAM freuten sich, dem gemischten Publikum – vom interessierten Laien bis hin zu Kommunalpolitikern – die sich seit vielen Jahren mit der Windparkthematik auseinandersetzen, ein detailliertes Bild über die Windenergie jenseits von „Verspargelungsdebatten“ liefern zu können.

So meinte Hendrik Weitemeier vom gleichnahmigen Ingenieursbüro für Tief-und Straßenbau: „Wir sind froh, den Menschen jetzt die Baustelle zeigen zu können, auch wenn es jetzt insgesamt nicht besonders einladend wirkt.“

Die Bautrupps arbeiten den Witterungsverhältnissen entsprechend mit Hochdruck an der Erstellung von insgesamt fünf Windrädern. Im jetzigen Bauabschnitt geht es um die Fertigstellung der Fundamente.

Die haben es ,in sich’ beziehungsweise ,unter’ sich, wie Bodengutachter Dr. Claus Schubert aus Trendelburg mitteilte: „Auf dem Bundsandstein, der hier in der Region vorherrscht, haben wir es mit einer Schicht von Lösslehm zu tun. Damit sich die Fundamente später nicht bewegen, musste der Baugrund verstärkt werden. Dazu werden 130 Rüttelstopfsäulen aus verdichtetem Kies in mehreren Ringen in den Boden gepresst.“

Enercon-Projektleiter Uwe Ortmann erklärte den weiteren technischen Aufbau: „Auf diesen Säulen wiederum werden Ringfundamente mit einer Verschalungstechnik angebracht, in deren Inneren Stahlseile verspannt werden können, die für Stabilität im späteren Windradturm sorgen. Dieser allein wird über 2.000 Tonnen wiegen; die Stabilisierungskonstruktion sowie das Gegengewicht des Fundaments von 4.000 Tonnen werden dafür sorgen, dass sich der Turm auch bei starken Windverhältnissen nur um etwa einen Meter bewegen wird.“Die großen Bauteile werden mit Schwertransportern nachts über eine eigens gebaute Behelfsautobahnausfahrt angeliefert, der normale Baustellenverkehr wird über die Landstraßee abgewickelt. Die Autobahnausfahrt wird tagsüber geschlossen und nach Beendigung der Bauarbeiten wieder rückgebaut.

Insgesamt wird mit 450 bis 600 Schwerlasttransportern die Bauzeit über gerechnet. Allein der Kran, der zum Aufbau des Turms nötig ist und insgesamt 180 Meter misst, kommt auf mehrere Fuhren verteilt als Kettenglied und wird erst vor Ort zusammengebaut.

Trotz des vielen Baumaterials sei die Windenergie im Vergleich zu anderen Stromerzeugungsverfahren dennoch sehr nachhaltig, wie Ottmann aufzeigte: „Alles was man hier sieht und künftig sehen wird, kann komplett recycelt werden.“

Der von den Windrädern produzierte Strom wird über eine 6,7 Kilometer lange Trasse in das neue Umspannwerk bei Friedland-Deiderode geführt und dort ins Stromnetz eingespeist, sagte Armin Schülbe von der EAM. Das Umspannwerk dort verteile die Energie bei Bedarf entweder in das Stromnetz der Region oder – falls es dort gerade nicht gebraucht wird – in das übergeordnetete Stromnetz, welches insgesamt 70 Umspannwerke umfasse, so Schülbe.

Die Windräder werden mit einer Bliztschutzeinrichtung versehen. Enercon proklamiert für sich eine einzigartige Blitzschutztechnik, welche die Messung des Erdwiderstandes beinhaltet. Im ganzen Turm liegen bis ins Fundament Erdungselemente. Falls es dennoch zu einem Brand kommen sollte, greifen die in den Turm eingebauten Brandlöschanlagen.

Da ringsum keine Menschen wohnen, ist eine potenzielle Gefahr hier recht gering einzuschätzen. Um die nichtmenschlichen Bewohner der Gegend wurde sich in Planungsverfahren aber genauso Gedanken gemacht: Der viel erwähnte Rotmilan habe mit einer Lenkungsfütterung einen Anreiz bekommen, sein Revier vom Windpark wegzuverlegen, sagte Dr. Margit Kahlert (Witzenhausen), die für die Umweltbaubegleitung zuständig ist. Dazu habe man einen Gras- und Luzernestreifen in einiger Entfernung angelegt, der oft gemäht wird. Dort können die Milane leichter jagen.

Zum Schutz der Fledermäuse sollen die Windräder von März bis April und von Juni bis September in der Dämmerung automatisch abgeschaltet werden.

Da vier der geplanten fünf Windräder im Wasserschutzgebiet stehen, gibt es Sonderauflagen des Regierungspräsidiums. Es würden Proben untersucht, um sicherzustellen, dass das Wasser nicht durch Betriebsstoffe der Baumaschinen verunreinigt werde.

Insgesamt zeigten sich die an der Baustelle beteiligten Personen zuversichtlich: „Wir sind gut im Zeitplan, bis zum Sommer werden die Windräder fertiggestellt sein.“

Extratip vom 14.01.2017, Silvia Hable