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„Windräder werden immer intelligenter“

Interview: Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke Kassel, zur Sicherheit von Windkraftanlagen

KREIS KASSEL. Blitzeinschlag, Brand in der Turbine oder defekte Bauteile: Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu derartigen Situationen mit Windkrafträdern. Wir sprachen mit Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke Kassel, über die Sicherheitsvorkehrungen für die Anlagen in der Region.

Was wird für die Sicherheit der Anlagen getan?
INGO PIJANKA: Im Bundes-Immissionsschutzgesetz sind umfangreiche Prüf- und Wartungsfristen festgeschrieben. Mit dem Hersteller ist zudem ein Vollwartungsvertrag abgeschlossen, der regelmäßige Inspektionen und Wartungen vorsieht. Eine technische Betriebsführung macht regelmäßig Inspektionen und externe Gutachter prüfen zusätzlich. Die Windkraftanlagen werden automatisch überwacht. Ständig werden Statusberichte an unsere Leitwarte geschickt, in der unser Techniker die Anlagen rund um die Uhr fernüberwachen. Außerdem werden moderne Windräder immer intelligenter: Sie schalten sich selbständig bei Fehlern ab.

Erst vor Kurzem ist ein Windkraftrad bei Süderholz nahe Stralsund an der Ostsee einfach abgebrochen. Ursache war vermutlich ein defektes Bauteil. Wie passt denn so ein Vorfall zur vorhergesagten Haltbarkeit der Anlagen von bis zu 25 Jahren?
PIJANKA: Was jetzt in Süderholz geschehen ist, lässt sich von uns nur schwer beurteilen. Wir wissen nichts über den Wartungszustand der Anlagen, wir können nichts zu Inspektionen sagen und wir kennen die Anlagen nicht. Für unsere Anlagen haben wir Vollwartungsverträge über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren abgeschlossen. Der Hersteller garantiert uns die Betriebssicherheit und für die sorgt er durch seine Inspektionen und Wartungen.

Immer wieder kam es auch in mehreren Metern Höhe zum Brand in einer Turbine. Wie kommt es dazu und wie wird so etwas verhindert?
PIJANKA: „Immer wieder“ hört sich so an, als würde das ständig geschehen. Grundsätzlich sind die Anlagen sehr gut gegen Brände abgesichert. Man muss die Zahl der Vorfälle ins Verhältnis zur Gesamtanlagenzahl setzen. Dann sieht das gänzlich anders aus. Aber ja, genau wie bei einem Haus kann man Brände nicht ausschließen. Unsere Anlagen sind nicht nur mit Brandmeldesystemen ausgestattet, sondern auch mit Brandlöschanlagen. Sie sind rechtlich nicht vorgeschrieben, aber Sicherheit geht vor.

HNA, vom 15.12.2016