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E-Motor wird in Kassel entwickelt

Elektromobilität: Aufteilung der künftigen Aufgaben wird gemeinsam mit dem Werk Salzgitter verhandelt

KASSEL/BAUNATAL. Der kürzlich vom Vorstand in Wolfsburg präsentierte Zukunftspakt zur Neuausrichtung der Marke Volkswagen sieht auch eine Aufteilung der Elektromotoren-Produktion zwischen den Werken Kassel und Salzgitter vor. „Das ist unser Beitrag, den wir als Werk Kassel leisten müssen“, sagte Werkleiter Thorsten Jablonski am Dienstag am Rand der Betriebsversammlung zum so genannten Job-Split.

JOB-SPLIT MIT SALZGITTER
Wie die Aufteilung im Einzelnen aussehen soll, ist wohl noch völlig offen. Fest steht nach Angaben der Verantwortlichen bisher:
• Das Werk in Baunatal bleibt Leitwerk für die E-Mobilität.
• Hier wird auch die Montage des so genannten Modularen Elektrifizierungs-Baukastens (MEB) gesteuert. Dieser bietet die Plattform für die neue Generation der reinen Elektroautos von VW, wie etwa den in Paris jüngst präsentierten I.D.
• Baunatal bleibt Standort für die Entwicklung der E-Antriebe. „Die Entwicklung wird zu 100 Prozent in Kassel stattfinden“, sagte der Werkleiter. • Ziel soll letztendlich eine Aufteilung der Wertschöpfung von jeweils 50 Prozent an beiden Standorten sein. Betriebsratschef Carsten Bätzold zog aus den schon bekannten Punkten ein positives Fazit. Das Werk Kassel sei damit für den schrittweisen Übergang in das Zeitalter der Elektromobilität gerüstet: „Damit haben wir eine gute Grundlage für sichere Arbeitsplätze und die Zukunft in Nordhessen geschaffen.“

IM BLICK DER ABGEORDNETEN
Die Abgabe von Teilen der Elektromotoren-Fertigung ans Werk Salzgitter wollen die hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Frankenberger und Wolfgang Decker jedenfalls genau beobachten. Sie sehen durchaus eine Gefahr, dass das Land Niedersachsen als Großaktionär die niedersächsischen Standorte bevorzuge, sagten sie im Gespräch mit der HNA. „Wir erwarten deshalb, dass eine Garantie abgegeben wird in den Bestand dieses Werkes“, betonte Frankenberger am Rand der Betriebsversammlung. „Man muss gucken, dass die E-Mobilität hier bleibt“, so Decker.

ZUKUNFTSPAKT
Komponentenvorstand Thomas Schmall erläuterte den knapp 7000 Beschäftigten in der Halle 2 den Zukunftspakt. Laut Werkleiter Thorsten Jablonski habe es im Vorfeld unter den Beschäftigten „eine gewisse Verunsicherung“ gegeben. Fazit sei aber jetzt, „dass wir uns hinsichtlich der Beschäftigung keine Sorgen machen müssen.“ Jablonski: „Was aber in zehn bis 15 Jahren ist, weiß keiner.“ Der Betriebsrat will insbesondere die Zukunft der Leiharbeiter im Auge behalten. Carsten Bätzold und Stellvertreterin Ulrike Jakob wollen sich dafür einsetzen, dass die auf zwei Jahre befristeten Verträge der übernommen Zeitarbeiter in feste Jobs umgewandelt werden. Auch über die Verlängerung der jetzt noch übrigen rund 500 Leiharbeitsverträge werde im kommenden Jahr weiter verhandelt, erklärte Betriebsratschef Bätzold.


HNA, vom 14.12.2016, von Sven Kühling