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So wird die Heizung schlau

Kasseler Uni-Ausgründung Betterspace optimiert Energieversorgung in Hotels

KASSEL. Hotels, die auf die Dienste der Kasseler Betterspace GmbH setzen, schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen senken sie ihre Energiekosten um bis zu 30 Prozent, zum anderen setzen sie mehr um. Denn gemeinsam mit dem Ilmenauer Partner SD-Concept (siehe Hintergrund) bietet die junge Kasseler Uni-Ausgründung ein spezielles Digitalisierungspaket für die Hotellerie an, das individuell auf jedes Haus mit all seinen Besonderheiten zugeschnitten werden kann.

Eine innovative Software steuert moderne Thermostate über das Eincheck-Verfahren so, dass sich die Heizung erst kurz vor Eintreffen des Gastes anstellt und das Zimmer auf eine angenehme Raumtemperatur erhitzt. Checkt der Gast wieder aus, regelt die Heizung automatisch herunter. „Das heißt, dass die Heizung nur läuft, wenn das Zimmer auch belegt ist“, erklärt Betterspace- Mitgründer Gerhard Weiß. Künftig sollen auch Klima-Anlagen, Jalousien und Licht intelligent gesteuert und vernetzt werden. Zur Zielgruppe gehören auch Büros, Schulen und Kliniken.

Der 27-Jährige, der an der Universität Kassel Elektrotechnik und Informatik studiert hat, hat das Unternehmen vor gut einem Jahr mit seinen Partnern Dr. Sirwanand Misara, Christopher Müller, Benjamin Köhler und Patrick Sittek aus der Taufe gehoben. Bei der jüngsten Runde des Gründungswettbewerbs Promotion Nordhessen belegte das Quintett im März den mit 9000 Euro dotierten zweiten Platz und gewann zusätzlich den Umweltpreis des Immenhäuser Dosierpumpen- Herstellers Sera (2000 Euro). Das Geschäft ist unterdessen gut angelaufen. „Ja, wir können uns nicht beklagen“, erklärt Weiß. 250 Kunden hat Betterspace im Inland und im deutschsprachigen Ausland bereits, und der Markteintritt in Griechenland und Spanien steht bevor.

Einen Schub erhoffen sich die Kasseler von der engen Kooperation mit der SD-Concept GmbH, die die Gästemappe digitalisiert hat. Ziel ist das papierlose Hotelzimmer. Mit einem leicht zu bedienenden Tablet kann sich der Gast über das Angebot des Hauses informieren. Umgekehrt bewirbt das Hotel mit Push-up-Nachrichten gezielt Angebote etwa im Restaurant oder Wellness- Bereich und steigert somit seinen Umsatz. Gleichzeitig informiert das System über Ereignisse und Veranstaltungen rund ums Hotel oder in der jeweiligen Stadt. „Wir brechen das große Internet für den Gast lokal und regional herunter“, erklärt Weiß.

Auch die Hotelbewertung läuft über die SD-Concept- Technik – und zwar bevor der Gast das Haus verlässt. Dadurch steigt laut Weiß die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunden überhaupt an der Befragung teilnehmen. Denn seien sie erst wieder daheim oder an ihrem Arbeitsplatz, lasse die Motivation für eine Teilnahme erfahrungsgemäß deutlich nach.

Grund für die Kooperation des Kasseler Start-ups mit dem ebenfalls jungen Unternehmen aus Ilmenau ist den Angaben zufolge die ideale Ergänzung der beiden innovativen Technologien.

HNA vom 7.12.2016, von José Pinto