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Solarmonteure unter Druck

Fragen und Antworten: EEG-Reform – Folgen für Eigenheimbesitzer und Handwerk

KASSEL. Heute soll die umstrittene Reform des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) im Bundesrat endgültig abgesegnet werden. Dass die Länderkammer noch groß Änderungen durchsetzt, gar ein Inkrafttreten der Novelle zum 1. August blockiert, glaubt niemand. Fragen und Antworten:

? Sinken jetzt die Strompreise?
! Nein. Die EEG-Umlage ist zwar ein wichtiges Element des Strompreises, macht aber nur grob ein Viertel dessen aus, was Privathaushalte für Strom zahlen. Die Bundesregierung will Kosten der Energiewende „auf einem vertretbaren Niveau stabilisieren und die Lasten fair verteilen“. Drei von vier Deutschen erwarten laut Forsa-Umfrage von Ende Juni so oder so steigende Stromkosten. Gespalten sind die Meinungen zur Frage, ob die Reform die Energiewende bremst: Nein, sagten 48 Prozent. Ja, fürchten 44 Prozent.

? Solarstromanlagen auf Eigenheimen - was ändert sich?
! Nichts – es gilt Bestandsschutz. Eingespeister Strom wird weiter nach dem Tarif vergütet, der bei Inbetriebnahme der Anlage gegolten hat. Bestandsanlagen werden auch von neuen Belastungen für Eigenverbrauch verschont. Wie lange das so bleibt, ist offen: 2017 soll alles wieder auf den Prüfstand.

? Und die neuen Belastungen für Eigenversorgung?
! Wer seinen - egal wie - selbstgemachten Strom selbst verbraucht, war bisher von der EEG-Umlage befreit. Für Alt-Anlagen, die also unter dem alten EEG in Betrieb gingen, bleibt das so. Ab 1. August wird aber für neue Anlagen grundsätzlich EEG-Umlage fällig - die vollen derzeit 6,24 Cent pro Eigenversorgungs-Kilowattstunde, wenn der Strom aus nicht erneuerbaren Quellen kommt. Für Eigenstrom aus erneuerbaren Energien liegt der Umlagesatz bei 30 Prozent (bis Ende 2015), dann bei 35 Prozent und ab 2017 schließlich bei 40 Prozent.

? Gilt das für alle Solarstromproduzenten?
! Nein - nach einigem Hin und Her bleibt neuen Fotovoltaik-Anlagen bis 10 kW Leistung die Umlage vorerst erspart. Damit bleibt für Montagebetriebe ein wichtiger Teilmarkt von neuen Belastungen verschont.

? Und Anlagen jenseits der typischen Eigenheimgröße von 10 kW?
! Das sind Projekte, die etwa Landwirte, Supermärkte und Firmen mit großen Dächern interessieren. Installateure natürlich auch - weil bei großen Anlagen ihr Fixkostenblock anteilsmäßig kleiner und beim Materialeinkauf anders kalkuliert wird. Wenn da nun die EEG-Umlage auch für Eigenstromverbrauch mit in die Kalkulation kommt, schwindet die Investitionslust dieses Marktes, fürchtet die Branche.

? Wie ist die Lage am Markt mit Solarstromanlagen?
! Der Lobbyverband BSW-Solar meldet fürs Frühjahr 2014 einen Einbruch von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Überall wird Personal abgebaut: Wagner-Solartechnik in Marburg, ein Pionier der Branche, schrumpfte von 400 Leuten auf 100 - und ging dann in die Insolvenz. Die Kaufunger Stiens Solartechnik mit Niederlassungen in ganz Deutschland legte den Rückwärtsgang ein. Zahlen nennt die Firma nicht. Neue Produkte wie Wärmepumpen, Speicher und LED-Technik hätten Umsatzrückgänge deutlich unter denen der Gesamtbranche gehalten, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung.

Hintergrund: Auch Windmüller rechnen neu

• Vor „grobem Unfug“, sagt Hessens Energieminister Tarek Al-Wazir, habe man die EEG-Reform bewahrt.
• Vor dem Stichtag 23. Januar 2014 für Windkraftanlagen aber nicht: Alle Räder, die bis dahin nicht genehmigt waren, rutschen in die neue, schlechtere EEGFörderung. Das Minus beziffert die Branche von 10 bis 25 Prozent (an der Küste). In Hessen trifft das laut Wirtschaftministerium 420 Räder, die die bisher installierte Leistung von 1100 MW verdoppeln würden. 85 weitere waren genehmigt, müssten für alte EEG-Sätze aber vor Jahresende laufen.
• Folge: Erbauer und Betreiber müssen neu kalkulieren, Pachten neu verhandeln. Auch stark windhöffige Gebiete, die bislang wegen Naturschutzkonflikten tabu waren, müsse man neu betrachten, so Al-Wazir.
• Handbuch „Antrag für Windenergieanlagen“: zu.hna.de/wkaantrag

HNA, 11.07.2014, von Wolfgang Riek