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EAM setzt auf grünen Strom

Regionalversorger baut Vertrieb auf

KREIS KASSEL. Die EAM ist wieder da: Nach 85 Jahren als Regionalversorger hat das Unternehmen sein Erscheinungsbild aufgefrischt und geht nun in modernem Grün an den Markt. Das neue Logo soll Zukunftsfähigkeit und das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit vermitteln, sagte EAM-Geschäftsführer Georg von Meibom am Freitag bei der Vorstellung der Unternehmensziele in Kassel.

Im Dezember 2013 hatten zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen die restlichen 70 Prozent des Netzunternehmens Eon Mitte für 617 Millionen Euro übernommen. Damit ist die EAM erstmals in ihrer Geschichte ein zu hundert Prozent kommunales Unternehmen.

Im zweiten Halbjahr soll die Rekommunalisierung mit dem Einstieg einer Vielzahl von Kommunen abgeschlossen werden. „136 Städte und Gemeinden haben ihr konkretes Interesse an einer Beteiligung bekundet“, sagte EAM-Aufsichtsratsvorsitzender Robert Fischbach (Marburg). Die Kreise plus Göttingen wollen eine Mehrheit von 50,1 Prozent behalten, den Kommunen bieten sie bis zu 49,9 Prozent der Anteile an. Dafür müssten die Kommunen zusammen 460 Millionen Euro aufbringen (bei Eigenanteilen von zehn Prozent).

1200 Arbeitsplätze Die 1200 Arbeitsplätze, die man von Eon Mitte übernommen habe, seien durch die Übernahme sicherer geworden, sagte von Meibom. „Die EAM ist glaubwürdig mit der Region verbunden.“ Man sehe sich als Versorger, der eng mit regionalen Unternehmen zusammenarbeite – auch mit örtlichen Stadtwerken, etwa in Kassel, Göttingen und Marburg. Die Wertschöpfung solle größtenteils in der Region bleiben. Dies werde bereits deutlich: Aufträge im Wert von 40 Mio. Euro habe man schon an Firmen aus der Region vergeben. Im laufenden Jahr seien Investitionen von 90 Mio. Euro (2013: 62 Mio. Euro) geplant, der größte Teil davon in die Erneuerung des Stromnetzes. Ab 1. April wächst das Versorgungsgebiet um das Stromnetz im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz.

Bisher stellt EAM nur die Versorgungsnetze zur Verfügung, Strom und Gas werden von anderen Unternehmen – allen voran Eon – geliefert. Das soll sich laut EAM bald ändern. Der Aufbau einer eigenen Vertriebssparte werde mit Hochdruck vorangetrieben, hieß es. Zurzeit würden die Angebote erarbeitet, ab Sommer könnten die Kunden dann auch grünen Strom und Gas von der EAM beziehen. Sie müssten sich aktiv um den Wechsel bemühen. Schon jetzt könne man sich im Internet unter www.eam.de informieren und als potenzieller Kunde registrieren lassen.

Auch bei den Gaskunden sieht die EAM großes Potenzial. So gebe es 50 000 Häuser im Netzgebiet, die Gas nutzen könnten, aber mit dem viel teureren Öl beheizt würden. Um diese Hausbesitzer zu erreichen, werde man die Hausanschlusspreise senken.

Fotos zu diesem Thema gibt es auf http://zu.hna.de/EAM2903

Hintergrund: 43 000 Anlagen erzeugen Öko-Strom

Die EAM hat an 23 Standorten 1200 Mitarbeiter, darunter 89 Auszubildende. Sie sorgten 2013 für einen Umsatz von 850 Mio. Euro und einen Jahresüberschuss (nach Steuern) von 60 Mio. Euro.

Die EAM versorgt in fünf Bundesländern 1,5 Millionen Menschen mit Energie.

Das Stromnetz hat eine Länge von knapp 46 000 Kilometern (Hochspannung: 19 km; Mittelspannung: 9700 km; Niederspannung: 23 500 km; Straßenbeleuchtung: 12 500 km). Das Gasnetz ist 4800 Kilometer lang.

Im Versorgungsgebiet der EAM speisen 43 000 Anlagen insgesamt 1200 Megawatt regenerativ erzeugten Strom ins Netz ein – das entspricht der Leistung eines Großkraftwerks und dem Gesamtverbrauch im Versorgungsgebiet. Die meisten Anlagen sind Fotovoltaikanlagen, 367 sind Windkraftanlagen, einige Wasserkraftanlagen. 80 Anträge für 300 weitere Windkraftanlagen liegen vor.

HNA, 29.03.2014, von Holger Schindler